Institut für Musik, SS 2015

Hemming - SE Rekonstruktion einer psychologischen Geschichte der Musikästhetik

Prof. Dr. Jan Hemming

Terminübersicht (Stand 18.07.2016):

1

14.4.

Einführung: Was ist Musikästhetik? Was ist ein Narrativ? Wie lautet die Standarddarstellung der Geschichte der Musikästhetik?  
2 21.4. Qualitative Inhaltsanalyse und Kategorienbildung am Beispiel von Gabrielsson & Lindström (1993) - Übungen anhand exemplarischer musikhistorischer Texte  
3 28.4. Orientierung in der Geschichte der Musikästhetik anhand von Nowak (1997, MGG-Artikel) und Konkretisierung des Arbeitsplans  
4 5.5. Techno- und Rave-Kultur (z.B. Cousto 1995, Denk / von Thülen 2012)

Bitte vorbereiten: Text1 Text2

Daniel Rosenbusch / Anna Fahrig
5 12.5. Rock und Pop (z.B. Frith 1987, von Appen 2007,  Bloemecke 2002)

Bitte vorbereiten: Text3

Katharina Schadt, Sinja Michel
6 19.5. Schriften von John Cage

Texte sind teilweise auf Google Boooks, sonst direkt auf der Literaurliste verlinkt

Seminarleiter
7 26.5. E.T.A. Hoffmann (Grundmotive der romantischen Musikästhetik) Text4

Charles Batteux (Prinzipien der Naturnachahmung) Text5

bei Interesse: Rezenzion aus der BAMZ von 1824

Seminarleiter
8 2.6. Affektenlehre und Barock (z.B. Descartes 1649, Kircher 1650, Mattheson 1739)

Text6

Anna Hannes

Lisa Karkos

9 9.6. Johannes Tinctoris (Grundmotive der Renaissance)

Text 7

Seminarleiter
10 16.6. Augustinus (theologische Aspekte und 'Heilwirkung' der Musik)

Text8 Text9 Text10 Text 11 Text12

Vera Karnincic
11 23.6. Orpheus-Mythen der Antike Friederike Bohnen

Dominik Franz

  30.6. Entfällt wegen einer Dienstreise. Vorschlag für einen Nachholtermin ist der 14.7.  
12 1.7. Fazit und Abschlussdiskussion: Was machen wir mit den Ergebnissen?  
  14.7. Entfällt wegen fachpraktischen Prüfungen  

Kommentar:

Die übliche musikhistorische Darstellung einer Geschichte der Musikästhetik folgt dem Narrativ von der "Emanzipation der Dissonanz" (Dahlhaus [1968] 1978). Ihm zufolge haben sich ausgehend von der Proportionenlehre der Antike Konventionen und Satzregeln immer weiter liberalisiert. Als wichtige, organisch miteinander verwobene Stationen gelten etwa die Modernisierung der mittelalterlichen Vokalpolyphonie durch die Ars Nova, die Einführung der gleichschwebend temperierten Stimmung im Barock, der 'empfindsame Stil' der Frühklassik und die gesteigerte Komplexität romantischer Harmonik. Die Aufhebung der Tonalität mit dem Eintritt in die musikalische Moderne um 1910 wird als gleichsam teleologische Konsequenz dargestellt, und fortan gilt folgendes, von Richard Wagner bereits 1868 durch die Stimmen von Walther von Stolzing und Hans Sachs in "Die Meistersinger von Nürnberg" formulierte Prinzip: WvS: "Wie fang' ich nach der Regel an?" HS: "Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann!" (Wagner 1914, S. 154).

Auch in diesem Seminar werden wir uns durch gemeinsame Lektüresitzungen und gelegentliche Referate an der historischen Abfolge orientieren. Dabei soll das Hauptaugenmerk alternativ auf die beständige Weiterentwicklung und Intensivierung der psychologischen Wirkmächtigkeit der Musik gerichtet werden, die sich aus nicht wenigen Primärquellen herauslesen lässt. Dies ermöglicht zuletzt die bisher vernachlässigte Einbeziehung populärer Musik in die Geschichte der Musikästhetik, denn auch mit den hier relevanten Stationen wie der "Ankunft des Rock'n'Roll" (Wicke 1998, S. 186) nach 1950 oder dem weltweiten Boom der Techno-Musik in den 1980er Jahren gehen jeweils neue psychologische – mithin also ästhetische – Qualitäten einher.

Anforderungen für die Bestätigung der Modulkomponente:

Studienleistung: Aktive Mitarbeit

Prüfungsleistung: Schriftliche Ausarbeitung

Kontakt:

jan.hemming
@uni-kassel.de

Literatur:

Literaturliste und Materialien (passwortgeschützt)