Institut für Musik, WS 2015/16

HS Der Belohnungsvorhersagefehler und seine Relevanz für Musik (theoretisches Forschungsseminar)

Prof. Dr. Jan Hemming

Terminübersicht (Stand 18.07.2016):

1

20.10.

Einführung  

2

27.10. Gemeinsame Lektüre und Diskussion: Spitzer (2007)

Psychologie: Was steht in den Lehrbüchern zum Belohnungsvorhersagefehler?, siehe hierzu Vorlesung 5 & 6 unter:
http://www.socialbehavior.uzh.ch/teaching/NeurooekonomieFS11.html

 

3

3.11. Konkretisierung von Spitzer (2007): Fiorillo et al (2003), Shizgal & Arvanitogiannis (2003)

Musikwissenschaft: Kramarz (2006 & 2014)

Musikinformatik: Pachet & Roy (2008)

 

Sina Gießler

4

10.11. Soziologie: Peterson (1976) Grohmann
Rink

5

17.11. Musikpsychologie: Margulis (2007) und Li, Chen&Tsai (2015) Walach
6 24.11. Neurobiologische Grundlagen und bildgebende Verfahren Jotzeit
Schuster
Kruze

7

1.12. Neuropsychologie: Koelsch (2011) Morgenstern
Dollinger
Eyßer

8

8.12 Neurobiologie: Gebauer et al.(2012) Morsi
Gabel
Klene
Uebach

9

15.12. Zusammenführung und weitere Planung Seminarleiter

10

12.1. Ergebnisse des Experiments aus der 9. Sitzung und Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise (die Materialienliste - siehe unten - wurde aber umfassend ergänzt). Entwicklung einer Mind-Map Seminarleiter

11

19.1. Bitte den 4-seitigen Text Salimpoor (2013) vorbereiten. Inhaltlich geht es sowohl um Methoden (Kaufparadigma) als auch um die Vertiefung hirnanatomischer/hirnpysiologischer Kenntnisse Gemeinsame Arbeit

 

26.1. Diese Sitzung muss wegen Krankheit leider entfallen!  

 

2.2 Auch diese Sitzung muss wegen Krankheit leider entfallen! Wir werden einen Nachholtermin in den Ferien vereinbaren, um zumindest noch ein Seminarfazit ziehen zu können.  
  9.2. Entfällt wegen fachpraktischen Prüfungen  
12 15.3. Abschlusssitzung als Nachholtermin  

Kommentar:

(1) Mikroebene: Auf Tonika, Subdominante und Dominante folgt wieder die Tonika – diese Formel ist so bewährt wie banal. Möglicherweise steigt die ästhetische Wertschätzung gerade dann, wenn nicht die vertraute, sondern die unerwartete Wendung einsetzt. Dies bringt z.B. das Wort "Trugschluss" zum Ausdruck. (2) Mesoebene: Kann man einen Hit kreieren, indem man aus vorangegangenen Erfolgen musikalische Parameter extrahiert und in einem neuen Song zusammenführt? Vielleicht schon, mag die Antwort lauten, aber statt einem originellen Resultat droht die "Ewige Wiederkunft des Gleichen" (Friedrich Nietzsche). Ein wirklich innovativer Komponist oder Songschreiber lässt sich stattdessen etwas völlig Neues einfallen. (3) Makroebene: In "The production of culture" beschrieb Richard Peterson bereits 1976, wie sich Phasen der kompetitiven Innovation mit Phasen der Ausschöpfung etablierter Ingredienzien zyklisch einander abwechseln. Dafür lassen sich viele (historische) Beispiele finden: Einer Fokussierung auf die Sinfonie während der Klassik folge die Wiederentdeckung der (Bachschen) Fugentechnik – Nach jahrzehntelanger Atonalität und Abstraktion der Kunstmusik des 20. Jahrhunderts erfolgte unter dem Stichwort "Neue Einfachheit" eine Rückbesinnung auf Tonalität und etablierte Formmodelle – Auf die Hochkonjunktur des Techno der frühen 1990er Jahre folgte der "Unplugged"-Trend usw.

All diese Mechanismen lassen sich möglicherweise mit dem psychologischen Modell des Belohnungsvorhersagefehlers (Spitzer 2007) erklären und deuten. Man kann es sich am besten anhand eines Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenks veranschaulichen. Bekomme ich genau das, was ich mir gewünscht habe, entsteht nur eine durchschnittliche Zufriedenheit. Demgegenüber ist das Glücksempfinden bei positiven und zugleich unerwarteten Erfahrungen maximal – also bei der gelungenen Geschenküberraschung. Anhand eingehender Lektüre der überschaubaren Zahl zum Thema verfügbarer Studien (ggf. ergänzt durch Referate) werden wir also der Erklärungsleistung des Belohnungsvorhersagefehlers nachspüren. Ziel ist es auch, das etalierte musikpsychologische Testparadigma, welches nur zwischen Erfüllung (fulfillment) und Verstoß (violation) von Ewartungen (expectations) unterscheidet (Koelsch 2011), kritisch zu hinterfragen und ggf. zu aktualisieren.

Anforderungen für die Bestätigung der Modulkomponente:

Studienleistung: Mündliches Referat

Benotete Prüfungsleistung: Schriftliche Hausarbeit bzw. Beteiligung an einem Forschungsartikel zum Thema

Kontakt:

jan.hemming
@uni-kassel.de

Literatur:

Literaturliste und Materialien (passwortgeschützt)